URSUS LADINICUS

Die Knochen des „Ursus Ladinicus" wurden am 23. September 1987 von Willy Costamoling aus Corvara gefunden. Er war auf dem Cunturines-Berg unterwegs, als er fast durch Zufall die Höhle betrat. Auf 2.800 m ü. d. M. fand er die Überreste von ein paar Dutzend uralten Bären. Die Cunturines-Höhle, Fundstelle der Knochen der Höhlenbären, ist mit einer 4-stündigen Wanderung zu erreichen.

Anfangs wurden die entdeckten Knochen dem häufiger vorkommenden und bereits bekannten Ursus Spelaeus zugeschrieben. Doch in den darauffolgenden Jahren wurde die Höhle gründlich untersucht und erforscht. Die daran arbeitende Forschergruppe von der Universität Wien hat unter der Leitung von Prof. Gernot Rabeder sensationelle Ergebnisse erbracht - der Bär vom Cunturines gehört nämlich einer neuen und nie zuvor beschriebenen Spezies des Höhlenbären an. Dieser neuen Bärenart wurde der Name „Ursus Ladinicus" verliehen, um die ladinische Bevölkerung aus den Dolomiten zu ehren.

Die Entdeckung des „Ursus Ladinicus" bringt laut Wissenschaftlern den Beweis dafür, dass in der Warmzeit des Eiszeitalters in diesen Bergen ein milderes Klima als heute geherrscht hat. Dies erklärt sich dadurch, dass es in diesen Höhen Waldvegetation gegeben haben muss, um den pflanzenfressenden Bären das Überleben zu gewährleisten. Heute hingegen liegt die Baumgrenze bei 1.900 m über dem Meeresspiegel. Es hat den Anschein, als hätten die uralten Höhlenbären diese Bergregion häufig heimgesucht. Die Höhle war mit ihrem verwachsenen Eingang wahrscheinlich nicht nur ein idealer Platz für die Winterruhe, sondern auch für die Weibchen und die Jungtiere.
Eine weitere Besonderheit des Cunturines-Funds liegt auch darin, dass es sich um die erste und bislang einzige Spur des Höhlenbären im geamten Raum der Dolomiten handelt.
Die Bärenfunde sind im neuen „Museum Ladin Ursus Ladinicus" ausgestellt, in dem die Besucher dank einer Dauerausstellung viele Aspekte der uralten Geschichte der Dolomiten vertiefen und Neues, Faszinierendes über die Urgeschichte erfahren können. Das Museum ist eine Zweigniederlassung des Museum Ladin Ciastel de Tor in St. Martin in Thurn und gliedert sich in 3 Ausstellungsebenen. Zunächst wird die geologische Entstehung der Dolomiten anhand der Fossilfunde von St. Kassian geschildert, dann wird zur Entstehung der Höhle übergegangen und schließlich über die Geschichte der Entdeckung und der Ausgrabungen informiert. Darüber hinaus erhält man dank Besichtigung der originalen Überreste Einblick in das Leben des ladinischen Höhlenbären und in seine Umwelt.

Im Untergeschoss des Museum kann man die „Bärenhöhle" besichtigen - oder besser gesagt: die Rekonstruktion verschiedener Teile aus der Cunturines-Höhle, in der auch der „schlafende Bär" anzutreffen ist. Des Weiteren hat man in dem Museum die Gelegenheit, den Ursus Ladinicus mit einem ausgestopften Braunbären zu vergleichen. Eine Gegenüberstellung der Zahnformen und Schädel macht deutlich, dass der Braunbär im Gegensatz zum pflanzenfressenden Ursus Ladinicus ein Allesfresser war. Braunbären gab es in den Alpen bereits zur Zeit des Ursus Ladinicus - vor 40.000 Jahren-, aber zu Beginn der letzten Eiszeit vor 24.000 Jahren ist er aus den Alpen und ganz Mitteleuropa verschwunden. Um der Kälte zu entfliehen, ist er in wärmere Gegenden gezogen, während unser Ursus Ladinicus - aus noch ungeklärten Gründen - nicht seinem Beispiel gefolgt ist.

Im Movimënt-Park von Piz Sorega, dem Bear Park, kann man die Rekonstruktion einer Höhle besichtigen. Außerdem erwarten Sie spaßige Spiele und Quiz für Kinder, die auch mit Schaufel und Eimer nachgebildete Bärenknochen des „Ursus Ladinicus" ausgraben können.

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